Aus Chakos Tagebuch
Ich, Chako

Ein jeder schreibt heutzutage seine Memoiren, auch wenn er nichts erlebt hat. Aber ich, Chako, erlebe wirklich jeden Tag ganz viele tolle, geile Dinge. Deshalb habe ich beschlossen, meine Erlebnisse, wie es schon meine Mami getan hat, aufzuschreiben.
Doch zuerst sollte ich mich einmal vorstellen:
Mein Name ist Runaka Chiron Chako. Herrchen nennt mich Chako oder Chakino. Frauchen sagt auch manchmal Chakolinchen, aber das höre ich nicht so gerne, denn ich bin ja schließlich ein stolzer Ridgeback von 66 cm Schulterhöhe und einem Gewicht von 40 kg.
Meine Mama Ashana ist eine echte Aachenerin, versteht aber auch Afrikanisch, denn ihre Mama Swala stammt direkt aus Harare. Auf meine Großmama bin ich mächtig stolz. Aber auch auf meinen Papi. Mein Papi heißt Zermatt delle Cime Bianche (Zermatt von den weißen Gipfeln) und ist ein echter Italiener. Papi hat sechs Frauen. Ich habe ihn nur einmal gesehen, als ich ganz klein war. Ansonsten kenne ich ihn nur von Bildern. Seit Mami Zermatt geheiratet hat, nennt Herrchen sie "Principessa". Mama freut sich darüber sehr. Manchmal träumt sie von Papi, dann bekommt sie so einen verklärten Blick und zuckt mit ihren Zehen.
Wenn ich einmal groß bin, will ich auch einmal so werden wie Papi!
6.Folge
Berühmte
Ahnen
Seid ihr nicht auch stolz auf eure Vorfahren?
Ich bin´s !!
In meinem Stammbaum wimmelt es nur so von Adel. Da häufen sich nur so die Vons und Zus und Ofs und Des. Bei uns Ridgebacks ist das genauso wie bei euch Zweibeinern: Viele Vons und Zus stammen ab von Raubrittern, Wegelagerern und Streunern, und auf einen der letzteren bin ich besonders stolz.
Er war mein Ur-Ur-Ur.....Großvater. Ein kräftiger und muskulöser Bursche war er. Seine Farbe: Red-wheaten, so wie die meine. Sein Ritch hätte einem Irokesen zur Ehre gereicht und lehrte schon alleine so manchem das Fürchten. Seine Vorderläufe waren stark und stämmisch und sein Hinterteil, der Traum aller Hundedamen. Und einen Kopf hatte er! Nicht so ein Windhundmilchgesicht, sondern bei ihm konnte man wahrlich von einem Löwenhund sprechen. Ich glaube nicht nur die ungebetenen Gäste seiner Farm hatten einen gewaltigen Respekt vor ihm sondern auch so mancher Löwe. Vielleicht übertreibe ich ein wenig, aber ich bin ja so stolz auf ihn.
Tausende Geschichten ranken sich um meinen Ur-Ur-Ur.....Großvater. Eine davon will ich euch erzählen:
Gerade war mein Ur-Ur-Ur.....Großvater von einer Ausstellung in Harare zurückgekehrt. Dort hatte er ewig lange herumliegen und warten müssen. Schließlich hatte er noch im Ausstellungsring ruhig herumgestanden, und man hatte dauernd seine Beine "richtig" hingestellt. Er musste mit hocherhobenem Haupt dort stehen und trotzdem Ruhe und Selbstbeherrschung ausstrahlen. Er durfte nicht einmal seine Konkurrenten anknurren und das alles unter der heißen Sonne Simbabwes. Ein schreckliches Gefühl, das ich sehr gut kenne.
Schließlich hatte diese ganze Show doch ein Ende gefunden und Frauchen hatte noch einen Pokal mehr, aber so sind die Menschen, wir müssen strammstehen und sie bekommen den Pokal. Ich wünschte mir es wäre einmal umgekehrt. Herrchen müsste dann im Kreis herumlaufen, es würde geprüft ob er ein vollzahniges Scherengebiss und ein kräftiges Rückgrat hätte, und wenn er erster würde, bekäme ich einen Sack voller Leckerlies. Vieleicht gäb´s auch einen BOB. Oder?
Doch ich weiche von meiner Geschichte ab.
Nachdem also mein Ur-Ur-Ur.....Großvater die Dog-schow endlich hinter sich gebracht hatte nahm er seinen gewohnten Platz auf dem Pick-up ein und schon ging´s ab nach Hause, aber...
in Afrika ist alles ganz anders. Dort führt die Autostraße vorbei an Affenbrotbäumen und Akazien, unten steht hohes Buschgras und vom Wind werden große Sträucher wie Ballons über die Strße geweht. Irgendetwas muss meinen Ur-Ur-Ur.....Großvater in die Nase gestochen haben und ihm die Fassung geraubt haben. Ob es eine Herde Gnus, ein paar Kudus oder Springböcke, Löwen oder nur eine Erdmännchenschule war, weiß niemand.
Als Herrchen und Frauchen (Herr und Frau Wallace) zu Hause ankamen, war mein Ur-Ur-Ur.....Großvater verschwunden. Er muss wohl den tollkühnen Sprung von der Ladefläche in voller Fahrt gewagt haben. An den folgenden Tagen fuhren Herrchen und Frauchen mehrmals die Heimfahrtsstrecke ab, fragten alle Leute die sie trafen, ob ein herumstreunender Ridgeback gesehen worden sei, aber ohne Erfolg. Der Hund war weg. Sie gaben auf und nahmen sich vor, nie mehr einen Hund hinten auf dem Pick-up zu transportieren.
Ein halbes Jahr verging. Da kam das Gerücht auf, ein großer brauner Hund treibe sich in der Gegend herum. Mr. und Mrs. Wallace waren wie elekterisiert und machten sich sogleich auf den Weg. Es dauerte nicht lange, da sichteten sie ihn, meinen Ur-Ur-Ur.....Großvater!
Das Wiedersehen muss unvorstellbar gewesen sein. Er durfte jetzt vorne bei Herrchen und Frauchen mitfahren - wunderbar!
Zu Hause angekommen, warf er sich auf seinen gewohnten Platz und schlief erschöpft , aber zufrieden sofort ein.
Doch wie sah dieser Kerl aus, der sich ein halbes Jahr in der Swanne herumgetrieben hatte und dort durchgeschlagen hatte?
Ich sage nur eines: Narben, Narben, Narben, und Zecken, Zecken, Zecken. Und dann wisst ihr auch, was Frau Wallace in den nächsten Tagen tat. Sie zog Zecken! Daneben bekam mein Ur-Ur-Ur.....Großvater natürlich auch bestes Kudufleisch und wurde mit viel Liebe gebürstet.
Und was geschah in den nächsten Jahren? Nie mehr hat mein Ur-Ur-Ur.....Großvater Herrchen und Frauchen aus den Augen gelassen. Intensiv hat er sich den Hundedamen zugewandt, denn er war weit über Harare hinaus berühmt geworden, und welche Dame kann schon solch einem verwegenen Wilderer widerstehen? Alt ist mein Ur-Ur-Ur.....Großvater nicht geworden, aber hatte er nicht ein großartiges, erfülltes Leben?
Jetzt wollt ihr sicher noch den Namen meines berühmten Vorfahren wissen: Es war
Mushana Starr Jameson !

Die Texte sind "Aus Chakos Tagebuch, 2. Teil" entnommen